Brauchen wir ein Schnarchbewußtsein? Dieses Phänomen, im Alltag kaum beachtet, wächst sich jede Nacht zum immensen Problem vieler Betroffener aus. Wer einen Partner hat, der laut und ständig schnarcht, leidet ungemein – und wird dabei oft kaum ernstgenommen! Schlimm genug, doch es geht noch weiter: Die Betroffenen können meistens kaum noch durchschlafen, haben tagsüber zahlreiche Defizite in puncto Konzentration und mit der Zeit erkranken sie nicht selten an gefährlichen Folgen wie Bluthochdruck oder Diabetes. Das wurde lange unterschätzt und sträflich vernachlässigt. Und auch die Schnarcher selbst riskieren ihre Gesundheit, setzt doch die Atmung oft aus und das Gehirn wird schlechter durchblutet.

Schnarch-InfosAll das wurde im Schlaflabor und durch die weitreichende Schlafforschung der letzten Jahre und Jahrzehnte bestätigt, doch freilich fand es kaum Eingang in eine gesellschaftliche Debatte. Irgendwie gilt Schnarchen als nicht sonderlich wichtig, es wird als lächerlich abgetan, die Betroffenen wollen meistens darüber nicht weiter nachdenken. Und so beginnt jede Nacht, pünktlich, das bewußte Leiden der Zuhörer und das unbewußte der Schnarcher. Das ist nichts geringes, denn Schlafen, vor allem tiefes und erholsames Schlafen, ist die Grundlage für Regeneration und Energiegewinnung. Wenn wir schlafen, laufen unsere Körperfunktionen langsamer und zum Teil gründlicher ab, die inneren Organen verrichten dann ihre Arbeit, zu der sie tagsüber einfach nicht kommen. Wir träumen und verarbeiten dadurch Ereignisse, wir schlafen, um uns zu erholen. Doch dafür müssen wir eben erst einmal einschlafen! Schwer genug mag das sein, gerade wenn der Partner oder auch das Kind oder die Freunde diese unwahrscheinlich nervtötenden Geräusche von sich geben. Dann hilft nur der Ohrstöpsel und auch dieser oft nur bedingt. Manche Schnarcher erreichen ein akustisch bedenkliches Volumen, was nicht selten hart an der erträglichen Dezibelgrenze liegen mag. Und dies spielt sich dann inmitten der sonstigen Stille ab, das Schnarchen wird die betroffenen Zuhörer zum Fixpunkt ihres überreizten Bewußtseins. Um ihnen effektiv helfen zu können, muss das Problem auf die Agenda, es muss in seiner Reichweite verstanden und von den betroffenen Parteien in beiderlei Hinsicht als Problem akzeptiert werden. Nur dann lässt sich der immense Schaden, den Schnarchen gesundheitlich und auch ökonomisch anrichtet und der bisher noch gar nicht in seinen Dimensionen erfasst ist, lindern.

 

Schnarchen und gestörte Atmung

Zunächst einmal gilt: Schnarchen ist grundsätzlich nicht wirklich gefährlich. Medizinisch betrachtet, handelt es sich dabei um ein vibrierendes Gaumensegel, das im Zug der Atemluft wackelt und flattern, die dadurch enstehenden Geräusche ähneln dann auch einer heftig im Wind flatternden Fahne. Manchmal sind auch der Rachen oder Teile der Zunge für das Schnarchen verantwortlich. Da der Mensch jedoch gewöhnlicherweise durch die Nase atmet, zumal nachts, ist das Schnarchen immer eine bestimmte Störung der Atmung. Sie zu untersuchen, ist absolut sinnvoll, können doch die verengten Atemwege auf irgendeine zugrundeliegende Erkrankung hinweisen. Der im Schlaf entspannte Körper umfasst dann eben auch das Gaumensegel, das bei gewöhnlicher Atmung gar keine Geräusche machen kann! Wer hingegen durch den Mund Luft holt, bringt das Segel natürlich zum Vibrieren – und das ist ganz gewiss auf Dauer nicht normal. Zugegeben, ein Schnupfen oder eine Erkältung im Allgemeinen, verstopfen in der Regel die Nase, wir atmen dann zwangsläufig durch unseren Mund. Aber das geht vorüber und ist mit Abklingen der Erkältung fast immer erledigt. Wer hingegen oft und dauerhaft schnarcht und wessen Partner immer wieder darauf hinweist, der hat mit ziemlicher Sicherheit ein gesundheitliches Problem.

Übergewicht ist auch ein nicht zu unterschätzender Faktor, der freilich den Vorteil hat, sich mit Disziplin und Willenskraft beseitigen zu lassen und damit auch dem Schnarchen den Garaus machen zu können. Medikamente, Drogen, Alkohol, schlimmstenfalls in Kombination, nehmen allesamt Einfluss auf die Atmung und führen auch in vielen Fällen deshalb zu massiven Schnarchattacken. Sicher, manche schnarchen dann nur ganz leise und haben kaum Probleme, andere hingegen erreichen heftige Lautstärken und drücken dadurch auch immer eine große Belastung ihres Organismus aus. Das darf nicht unterschätzt werden.

Die ständige Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, der immense Aufwand, der Körper zum Luftholen treiben muss, die Ausschüttung von Stresshormonen – all dies führt in Kombination zu einem Nachlassen der Leistungsfähigkeit am Tage. Die Betroffenen können sich schlecht konzentrieren oder reagieren gereizt auf ihre Umgebung. Später kann dann sogar eine ausgewachsene Schlafapnoe hinzukommen, die mit massiven Atemaussetzern begleitet ist. Mitunter passiert dies dann bis zu einhundert Mal – pro Nacht! Wer dies an sich beobachtet, etwa durch ein Aufnahmegerät oder durch Hinweise des Partners, muss schleunigst zu einer Untersuchung. Ansonsten können sich bei Nichtbehandlung schwere Folgewirkungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle einstellen. Gesunder Schlaf, ohne Schnarchen, ist schließlich die Gewähr für ein langes und zugleich leistungsfähiges Leben.

 

Empfehlenswerte Maßnahmen und spezielle Verfahren

Wer das Schnarchen beseitigen will, muss zunächst fragen: Warum wird geschnarcht? Meist handelt es sich um vorübergehende Erscheinungen, etwa wegen einer Erkältung oder aufgrund zu reichlich genossenen Alkohols. Da hilft dann nur das Auskurieren des Schnupfens oder eben der Verzicht auf den Schlummertrunk. Auch Zigaretten und eine generell eher ungesunde Lebensweise können das Schnarchen begünstigen, trocken doch oft dadurch die Schleimhäute aus und die Betroffenen bekommen zumindest durch die Nase sehr schlecht Luft. Wer will kann es auch mit Nasenspray probieren, sollte aber auf den Einsatz genau Acht geben. Professionelle Sprays, die bei einer Erkältung zum Einsatz kommen, sind nur für ein paar Tage geeignet. Sie machen die Nase von dem Stoff regelrecht abhängig, so dass mit der Zeit die eigentlich zu bekämpfende Austrocknung immer weiter fortschreitet. Deshalb sollte lieber ein Spray mit Meerwasser verwandt werden, das regeneriert schonend und lässt sich auch über längere Zeit ohne Probleme verwenden. Nicht zuletzt kann ein Schnarcher auch ein Nasenpflaster ausprobieren, das mittels eine Tinktur zumindest leichte Schnarchattacken wirkungsvoll unterbinden kann.

Wem das nicht hilft, der wendet sich am besten an den Hausarzt. Es gibt auch spezielle Schlafmediziner und nicht selten empfiehlt sich auch die Untersuchung des Schnarchens im Schlaflabor. Liegt etwa eine echte Schlafapnoe mit all ihren Gefahren vor, muss manchmal sogar operiert werden. Dabei kommen Verfahren zur Richtung des Gaumens beziehungsweise des Unterkiefers zum Einsatz. Es ist aber auch möglich, mechanisch wirksame Hilfsmittel wie die Unterkieferschiene auszuprobieren, die eine nächtliche Schiefstellung und damit das Schnarchen verhindern sollen. Auch Schlafmasken sind im Angebot, gelten allerdings im gegensatz zu den Schnarchschienen als sehr gewöhnungsbedürftig. Schließlich ist der Anblick einer solchen Maske ziemlich bizaar, zumal für den Partner – doch sie bringt erwiesenermaßen echte Erleichterung. Patienten, die sich zum Tragen der Schlafmaske durchrangen, berichten begeistert von wiedergewonnenen Tiefe ihres Schlafes, oft nach vielen Jahren der Quälerei. Mittels Überdruck entlastet die Maske das Atmungssystem und verhindern effektiv die Entstehung der lärmenden Vibration.